Die PISAker - Lehrerkabarett

02.12.2008 | Kennt-Ihr-Schon | 31 Kommentare

Vom Sinn und Wahnsinn \"Schule\"

Wer hinter dem erfolgreichen Lehrerkabarett so alles steckt

Phonetisch klingt PISAker nach piesacken, also jemanden zu triezen und unter Druck zu setzen, was für alle Lehrer, glaubt man unseren Kindern, hundertprozentig zutrifft. PISAker enthält auch die deutliche Anspielung auf jene unsägliche und entgegen anderen Behauptungen doch europaweit unvergleichbare Studie des deutschen Bildungsstandes, die sich wie jede andere beliebige Statistik auch, ohnehin jeder so zurechtbiegt wie er sie für seine Zwecke grade brauchen kann, oder doch nicht?? Einerlei, denn tatsächlich haben die „Erfinder" des Namens Gerhard Wonner und die optische Umsetzung durch Frank von Sicard mit diesem mehrdeutigen Titel schon bewiesen zu welch feinsinnig-hinterkünftigem Humor sie fähig sind.

Die beiden sind auch das federführende Schreiber-, Ideen- und Regie-Duo, das hinter den humorvollen, teils aberwitzigen oft aber auch haarsträubenden Szenen aus dem Schullalltag steckt. Vollgepackt mit großartiger Ironie und Satire aber auch mit allerschwärzestem Humor, der dem vielgerühmten britischen Humor a la Monty Python in nichts nachsteht. Seit 2005 haben sie sich vier abendfüllende Programme aus den findigen Pädagogenfingern gesaugt. Heuer geben sie einen tiefböse-liebevoll-satirischen Einblick in die Parallelwelt Schule und ihr heuriges Hauptsorgenkind „Pause".

Natürlich spielen sie auch kleinere Rollen, doch für den überwiegenden Teil ist das zehnköpfige Ensemble zuständig, das fast ausnahmslos über langjährige Schauspielerfahrung verfügt. Viele betätigten schon unter der Leitung des ehemaligen Kirchanschöringer Rektors Burkhard Haase am Lehrer-Schulspiel, also manche schon seit rund 30 Jahren. Einige führen in ihren Schulen die Schülerspielgruppen. Unter Haase wurden damals noch „ernsthafte" Stücke gespielt. Als Frank von Sicard die Tradition des Schulspiels als Leiter fortführen wollte, sei es an der Zeit gewesen ein Zeichen zu setzen und mal für eine Weile das Genre zu wechseln erzählte er. Kabarett und Musiktheater ist nicht unbedingt weniger anspruchsvoll, aber anders.

Sowohl Frank von Sicard als auch Gerhard Wonner sprühen vor Ideen, Witz und Humor und erklären übereinstimmend, dass sie das Schreiben von kabarettistischen Stücken über den „Sinn und Wahnsinn Schule" auch als eigentherapeutische Massnahme sehen. „Kabarett ist sie Möglichkeit Kritik anzubringen, Missstände durch die Blume anzuprangern, wenn’s sein muss auch so dermassen überspitzt dass es wie völlig an den Haaren herbeigezogen aussieht", grinst von Sicard spitzbübisch und gesteht freimütig: „Als Lehrer wollte ich immer nur der Gute sein." Kabarett ist aber auch ein hervorragendes Mittel gegen Langeweile und für jede Menge Spass! Dazu gehört für beide aber auch die großartige Fähigkeit über sich selbst zu lachen. Wonner amüsiert sich: „Wer über sich selbst nicht lachen kann wird Rektor und kein Kabarettist."

Gerhard Wonner, der bei den PISAkern gern den Hausmeister Mücke und den realitätsfernen Religionspädagogen Kirst mimt, unterrichtet an der Volksschule St. Georgen seit vielen Jahren den Turnus der siebten bis neunten Klassen und macht sie möglichst fit fürs kommende Berufsleben. Kabarettistische Erfahrungen sammelte er im Step-by-Step-Verfahren indem er zu zahlreichen Kollegengeburtstagen hobbymässige Sketche verfasste. Somit war er ein quasi „gefundenes Fressen" für seinen Schulkollegen Frank von Sicard.

Dieser unterrichte in 28 Jahren an der Werner-von-Siemens-Hauptschule und fünf Jahren in St. Georgen mehr als 3000 Schüler in den Fächern Kunsterziehung und Werken. Von Sicard engagiert sich für seine Fächer und auch für seine Schüler.Stolz erzählt er, dass er von diesen „unglaublich viel" zurückbekam. Er hat einiges an theatertechnischer Vorbildung auzuweisen. So absolvierte er viele Fortbildungen im Theaterfach, bei der Landesarbeitsgemeinschaft für Theater und Film Dillingen. An die 50 Stück hat er selbst für Grundschullehrer und Lehramtsanwärter gegeben. Themen: u.a. klassisches Theater, Impro- und Stelzentheater, sowie schwarzes Theater. Man sieht auf dem Gebiet ist der Theatermacher fit. Übrigens: Auch wenn das Duo den Löwenanteil der dichterischen Arbeit leistet, arbeiten ihre Mitstreiter an der praktischen Umsetzung und als zusätzliche Ideengeber voll mit. Frank von Sicard gibt den Alt-Achtundsechziger und Erzpazifisten Schelinsky und ist das Alter Ego eines modebewussten Schulrates.

Ulrich Rothe, das musikalische Gehirn der PISAker, leitet die fünfte Klasse der Volksschule St. Georgen, unterrichtet im Hauptfach Kunst und leitet (natürlich) auch die Schulband. Der gebürtige Viechtacher war schon immer auf dem Musiksektor aktiv, spielte von jeher und auch heute noch, in Bands und Musikprojekten und betätigte sich während des Studiums als Grafiker. Für die kreative Umsetzung und Bearbeitung der Gesangseinlagen und selbstverständlich auch die Begleitung am Klavier während der Vorstellung ist er also der richtige Mann. Einige Lieder singt er selbst und erinnert dabei vom Stil her gelegentlich an eine Mischung aus Reinhard Mey und Udo Jürgens. Uli Rothe ist unter anderem auch Trainer Böhlmann, der die Pädagogen fit für die Lehrer-Schüler-Nahkampf-Duelle macht.

Bernhard Benoist ist von Anfang an ein PISAker. Zunächst als Lehrer und mobile Reserve in Chieming und später Seeon, hat er an der dortigen Schule derzeit eine erste Klasse an die pädagogische Hand genommen. Benoist hat sich insbesondere mit Naturwisssenschaft in der Grundschule beschäftigt und auf diesem Gebiet auch Lehrerfortbildungen gemacht. Für die Rolle des Professor Mackenstein hat der junge Pädagoge also die allerbesten Voraussetzungen in der Tasche. Auch Inge Frankenberger und Monika Krendlinger sind Mitspieler der ersten Stunde. Beide führen, gemeinsam die Schulspielgruppe der Chieminger Grundschulklassen. Frau Frankenberger leitet eine dritte Klasse, Frau Krendlinger ist Förderlehrerin für Deutsch und Mathematik, unterrichtet aber auch Werken-Textiles-Gestalten oder springt in anderen Fächern ein wenn nötig. Monika Krendlinger ist die Schulsekretärin Frau Hanke aber auch die wissbegierige Reporterin, Inge Frankenberger die Lehrkraft Frau Dürrhofer-List.

Susanne Ober unterrrichtete lange Jahre an der Volksschule Altenmarkt, seit drei Jahren ist sie in Seeon und leitet dort eine sechste Klasse. Früher führte sie auch eine Schulspielgruppe. Wie das Ehepaar von Sicard gehörte Frau Ober schon der Schauspielgruppe von Burkhard Haase an und spielte vor ihrer "Karriere" bei den PISAkern auch bei der Jungen Trostberger Bühne. Die spielfreudige Pädagogin "macht" seit 30 Jahren in Theater. Susanne Ober ist die diskussionsfreudige und stets verbal-kampfbereite Proleten-Mama Frau Niedermirtl.

Andreas Hüdepohl ist Lehrer an der Werner-von-Siemens-Hauptschule Traunreut, derzeit im Stand, der möglicherweise von den meisten Lehrkräften ungeliebten mobilen Reserve. Der lupenreines Hochdeutsch sprechende Herr war wohl heuer mal auf der Hallig Langeness um eine Anstellung als Halliglehrer auszuspähen. Leider war der Reise kein positver Ausgang beschieden und so bleibt der Truppe „Der Educator" erhalten. Als Pädagoge ist Hüdepohl ein „Spätberufener", als PISAker jedoch ein Mann der ersten Stunde. Im Programm mimt er den Papierberge-verliebten Bürokratiemöger und streitbaren Pausen-Schlachtplan-Entwerfer Herr Kreidelbauer.

Die Ur-PISAker Hildegard Rott, Rudi Schlögl und Claudia von Sicard sind seit Jahrzehnten praktizierende Theaterspieler. Auch ihre Anfänge reichen bis in die Haase-Ära zurück. Rudi Schlögl, Ex-Rektor der Chieminger Schule im Unruhestand ist passenderweise Rektor Lehr. Claudia von Sicard, Leiterin einer achten Klasse an der Werner-von-Siemens-Hauptschule Traunreut ist Frau Karmann, die Lehrkraft mit dem netten Kölner Dialekt. Hildegard Rott alias Frau Schlammburger macht die sechste Klasse in Chieming fit und spielt ihr Leben lang schon viel und gerne Theater. Die einzige „Neue" im Team ist Andrea Schedlbauer. Seit heuer als Mobile Reserve in Chieming musste sie gleich zum „Auslandseinsatz" nach Altenmarkt und wurde gleichzeitig zum Lehrerkabarett „verpflichtet". Sie spielt die Rolle der ewiglächelnden Grundschullehrerin Frau Beier. Selbstverständlich bekleiden alle von ihnen noch weitere Rollen, singen und tanzen ihre „schwungvollen Lieder".



stehend von links: Frank von Sicard, Rudi Schlögl, Bernhard Benoist, Alexander Hüdepohl, Gerhard Wonner und Ulrich Rothe
knieend: Hildegrad Rott, Andrea Schedlbauer, Inge Frankenberger, Monika Krendlinger, Claudia von Sicard und Susanne Ober

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